Adolf Sultan wurde mit dem Vornamen Abraham Sultan am 02. Februar 1861 als Sohn von Wolff und Johanna Sultan, geborene Barnass in Thorn (heute Toruń/Polen) geboren. Er war das zweite von sieben Kindern.
In dem Patrizierhaus, in dem er aufwuchs, wurde musiziert, gelesen und gedichtet. Abraham spielte Geige und später Bratsche.
Nach dem Abitur änderte er seinen Vornamen von Abraham in Adolf.
Er trat in die Spirituosenfabrik seines Vaters ein, durchlief eine kaufmännische Lehre und übernahm nach dem Tod des Vaters 1897 die Fabrik. Es wurden Liköre, Wodka und Cognac produziert.
Im Februar 1889 heiratete er die jüngere Schwester von Leo Victorius, Margarethe Mirjam.
Margarethe und Adolf hatten drei Kinder.
1889 wurde Anna Frieda geboren, die bereits mit zehn Jahren an einer Hirnhautentzündung starb.
Klara Paula, genannt Claere, kam 1891 zur Welt. 1894 folgte der Bruder Herbert Siegfried.
Adolf beschloss, mit seiner Familie nach Berlin zu ziehen. 1901 verkaufte er das Haus in Thorn und führte seine Likörfabrik von Berlin aus.
Die Familie wohnte nun in der Rankestraße 33 in Berlin Wilmersdorf.
Margarethe starb 34-jährig unerwartet Ende 1902.
Im Februar 1904 heiratete Adolf die Witwe Ida Rosa Victorius, Coba genannt, die in erster Ehe mit Leo Victorius, dem Bruder von Margarethe, verheiratet war. Leo verstarb im selben Jahr wie seine Schwester.
Coba brachte drei Kinder aus der ersten Ehe mit: Jacob Curt (*1895), Anna, genannt Anni (*1897) und Käte (*1901).
Bald nach der Hochzeit wurde der Architekt Richard Riemerschmid beauftragt, eine Villa in der Delbrückstraße 6a in Berlin-Grunewald für die große Familie zu bauen. Er gestaltete auch das Innere des Hauses, die Möbel und Stoffe. 1906 zog die Familie ein.
Auch in dieser Familie wurde wieder viel musiziert. 1905 kam der Sohn Wolfgang und 1906 die Tochter Johanna Margarete, genannt Grete, zur Welt.
Im Herbst 1927 kaufte Adolf das kurz zuvor erbaute Haus in der Ernst-Ringstraße 2-4. Vermutlich hatten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie verschlechtert.
Anfang der 1930er-Jahre litt Adolf verstärkt an verschiedenen chronischen Erkrankungen. Er wurde zu Hause von der Krankenschwester Marianne Grosser gepflegt, in die sich sein Sohn Wolfgang verliebte und die dieser heiraten wollte. Im Nationalsozialismus wurde das zu einem Verbrechen, weil Marianne Grosser eine Nichtjüdin war.
Im November 1936 nahm sich Wolfgang kurz vor seiner Verhaftung in Leipzig das Leben. Adolf, Coba und die ganze Familie waren tief erschüttert. Die Verfolgungen und Demütigungen der Sultans nahmen schrittweise zu und im Januar 1939 wurden sie enteignet. (Gemälde, Kunstgegenstände, Möbel, Teppiche)
Auch das Haus in der Ernst-Ringstraße mussten die Sultans zwangsweise verkaufen. Ernst Aue, ein deutscher Kaufmann aus Caracas, erwarb die Villa zwei Wochen vor Kriegsbeginn sehr günstig und vermietete sie zunächst an die Sultans selbst. Der geringe Erlös, den die Sultans aus dem Zwangsverkauf erhielten, musste auf ein Sperrkonto eingezahlt werden. Nach und nach verließen die Kinder das Haus, sie konnten emigrieren oder umziehen.
Im September 1940 zogen Adolf und Coba in eine Zwangswohnung in der Konstanzer Straße 59 in Wilmersdorf um, wo auch viele andere jüdische Familien wohnten.
Adolf und Coba bemühten sich um ein Ausreisevisum für die Schweiz. Im August 1941 erhielten sie die Ausreisepapiere.
Adolf starb kurz vor der Emigration in die Schweiz am 16.08.1941. In einem Brief vom 17.08.1941 schrieb Coba Sultan an ihre Kinder und berichtete von den letzten Lebenstagen ihres Mannes. Er sei friedlich in der Badewanne verstorben. Das in einer anderen Quelle angegebene Todesdatum 18.8.1941 dürfte also nicht stimmen.
Adolf Sultan wurde zusammen mit seinem Bruder Georg, seinem Sohn Wolfgang und dessen Verlobter Marianne Grosser auf dem Friedhof Zehlendorf in der Onkel-Tom-Straße beigesetzt. Die Liegezeit der Grabstelle ist inzwischen abgelaufen. Der Grabstein mit den vier Namen und einer Erwähnung der in Auschwitz umgekommenen Claere Guttsmann, Adolfs zweitem Kind, ist aber noch vorhanden.
Alle Texte und Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis des/r Rechteinhaber*in verwendet werden.