Jenny Abraham wurde am 5. Dezember 1870 in Pakosch (heute Pakość, Polen) geboren. Über ihre Eltern, ihre Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Jenny Abraham war mit dem Fleischermeister Jacob Gehr verheiratet. Wann die Hochzeit stattfand, konnte nicht ermittelt werden.
In verschiedenen Dokumenten wird die Familie Gehr einmal im preußischen Mogilno, häufiger im 25 Kilometer entfernten Pakosch erwähnt. Es ist unklar, ob sie öfter Ortswechsel vornahmen, es sich um eine Ungenauigkeit in der Ortsbezeichnung handelte (da Pakosch zum Landkreis Mogilno gehörte, der in Dokumenten möglicherweise nicht immer vom Kreis Mogilno unterschieden wurde) oder um Verwandte aus der weitverzweigten Familie. Sicher ist, dass die Söhne Max (*1895) und Robert (*1896) in Pakosch, Franz (*1898) und Eric (Erich, *1900) in Mogilno geboren wurden.
Vieles spricht dafür, dass die Familie Gehr nicht lange nach der Geburt Erichs in die Neue Königstr. 20 (heute Otto-Braun-Str.) nach Berlin gezogen ist.
Den fünften Sohn der Gehrs, Herbert, brachte Jenny im November 1904 in der Georgenkirchstr. 30 zur Welt. Konrad wurde 1909 ebenfalls in Berlin geboren.
Seit 1915 betrieb Jacob Gehr eine eigene Fleischerei in der Hufelandstr. 45. In der Zwischenzeit hatte Jenny 1909 ihr sechstes Kind, Konrad, geboren. Die Familie bezog unweit der Fleischerei eine Wohnung in der Lippehner Str. (heute Käthe-Niederkirchner-Str.). Später lebten die Gehrs in der Greifswalder Str. 43 a.
Um 1933 zog Jacob Gehr als Privatier mit seiner Ehefrau Jenny nach Schöneberg in die Freisinger Str. 14 zu seinem Sohn Herbert.
Die politische Lage in Deutschland wurde für jüdische Bürgerinnen und Bürger zunehmend schwieriger, so dass sich die Brüder Robert, Konrad, Herbert und Eric entschlossen, über verschiedene Wege nach Kolumbien zu emigrieren.
Auf Anraten der Söhne sollten die Eltern nachkommen. Es gelang ihnen, Deutschland noch rechtzeitig in Richtung Asien zu verlassen. Jenny und Jacob schifften sich später über Shanghai nach Bogotá/Kolumbien ein. Auf dem Schiff brach jedoch Typhus aus. Am 11. Oktober 1942 verstarb Jenny Gehr an der Krankheit. Nur zwei Tage später erlag auch Jacob seinem Leiden. Nach einer Trauerfeier an Bord wurden ihre Urnen nach Bogotá überführt und dort bestattet.
Über das Schicksal von Max und seiner Ehefrau Gertrud kann berichtet werden, dass sie beide am 13. Dezember 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Nur wenige Wochen darauf wurden sie am 23. Januar 1943 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ihre Tochter Alice konnte Deutschland noch rechtzeitig verlassen und in die USA emigrieren.
Franz Gehr und Ehefrau Käthe sowie Sohn Wolfgang wurden am 19. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.
Für beide Familien wurden Stolpersteine in der Hufelandstr. 5 (früher 48) und in der Pestalozzistr. 15 in Wilmersdorf-Charlottenburg verlegt.
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