Richard Goldberg wurde am 11. März 1888 als Sohn des Kaufmanns Bernhard Goldberg und seiner Frau Klara in Neuhaus an der Elbe geboren. Er hatte zwei Geschwister, Erna (*16.5.1890) und Walter (*23.3.1893), die später nach Hamburg zogen. Richard ging nach Berlin. Am 9.1.1913 heiratete er Alice Friedmann. Die gemeinsame Tochter Gerda kam am 22.5.1916 zur Welt. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs war Richard Goldberg als „Reisender in Textilien“ für die Firma Friedlaender unterwegs. Die Familie bewohnte eine „solide eingerichtete“ Dreizimmerwohnung in der Kissinger Str. 17 in Berlin-Steglitz.
Am 10.4.1937 starb Alice Goldberg. Richard Goldberg musste die gutbürgerliche Wohnung am 2. September 1941 verlassen und bezog als Untermieter ein möbliertes Zimmer in der Zwangswohnung Würzburger Str. 7/bei Haymann. Er musste Zwangsarbeit leisten. Zunächst bei der Lack- und Farbenfabrik Warneck & Böhm in Berlin-Weißensee, später als „begleitender jüdischer Ordner“ bei der Speditionsfirma Erich Scheffler in der Großen Präsidentenstr. 9.
Am 30. Juni 1943 wurde Richard Goldberg mit dem „93. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. In dem Schreiben der Geheimen Staatspolizei an den Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg vom 5.7.1943 mit dem Betreff „Evakuierte Juden“ heißt es: „In der Anlage übersende ich eine Transportliste derjenigen Juden, deren Vermögen im Rahmen der Abschiebung dem Reiche angefallen ist.“ Das Vermögen von Richard „Israel“ Goldberg betrug 25 Mark. Er ist die Nr. 46 auf der Transportliste. Aus Theresienstadt schickte Richard Goldberg zwischen Ende 1943 und Frühjahr 1944 vier Postkarten an seine Schwägerin Irma Plänitz in Berlin-Charlottenburg. Seine letzte Karte richtete er an die „Daheim Lieben!“ Der vorgedruckte Text lautet: „Ich bestätige dankend den Empfang Ihres/Deines(unterstrichen) Paketes vom März 1944.“
Am 15. Mai 1944 wurde Richard Goldberg mit dem Transport Dz 610 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. Dort wurde er wahrscheinlich am Tag seiner Ankunft ermordet.
Richards Tochter Gerda trat 1932 als kaufmännische Auszubildende bei der Firma Goldberg & Sander in Berlin ein. Nach Abschluss ihrer dreijährigen Lehrzeit arbeitete sie dort als Kontoristin. Im Mai 1938 wurde Goldmann & Sander „arisiert“. Bald darauf verlor Gerda Goldberg ihre Stellung. Am 10.7.1938 heiratete sie Emil Scheidlinger (*18.8.1910). Ihre Tochter Chana wurde am 7.11.1938 in Berlin geboren. Emil emigrierte 1938 nach Shanghai/China. Gerda folgte ihm 1940 mit der gemeinsamen Tochter. Sie wohnten in der Carter Road 13 im japanischen Distrikt. Am 8.9.1947 reisten sie in die USA ein. Emil Scheidlinger starb am 1.11.1949 in einem Krankenhaus in San Francisco. Sein Tod galt als Folge „erlittener Verfolgungsmaßnahmen“. Gerda verdiente den Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter als Fabrikarbeiterin. Sie starb am 30.1.1987. Chana, die sich Hanni nannte, lebte bis zu ihrem Tod am 25.1.2009 in San Carlos, San Mateo, Kalifornien.
Richards Schwester Erna wurde am 6.12.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert, wo sich ihre Spur verlor.
Walter Goldberg wurde ins Ghetto nach Łódź deportiert und kam dort am 1.4.1942 um.
Für Erna und Walter Goldberg wurden 2013 in Hamburg Stolpersteine verlegt.
Der Stolperstein für Richard Goldberg wurde am 23. Juni 2023 in der Kissinger Str. 17 in Berlin-Steglitz verlegt.
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