Moses Blum

Verlegeort
Mollstraße 31
Historischer Name
Gollnowstraße 42
Bezirk/Ortsteil
Friedrichshain
Verlegedatum
16. Oktober 2024
Geboren
13. August 1887 in Mościska (Galizien)
Abgeschoben
von 28. Oktober 1938 nach Zbąszyń / Bentschen
Ermordet
Biografie

Moses Blum kam am 13. August 1887 in Mościska in Galizien (damals Teil des Habsburgerreichs) in einer jüdischen Familie zur Welt. Die kleine Stadt Mościska, heute in der Westukraine, nahe der polnischen Grenze gelegen, war zu diesem Zeitpunkt ein wichtiges Zentrum der Juden Galiziens. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Moses Blum haben sich keine Informationen erhalten. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns und übersiedelte zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Berlin.

Dort heiratete er am 7. Dezember 1920 die Geschäftsinhaberin Bertha Baisia Entner, geb. am 12. Juni 1894 in Radymno (Galizien). Auch sie gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Das Ehepaar bekam drei Kinder: Margot (*1924), Alfred (*1926) und Herbert (*1928). Seit Anfang der 1930er Jahre wohnte die Familie in der Gollnowstraße 42 (entspricht heute etwa der Adresse Mollstraße 31). Diese Straße, die die Bezirksgrenze zwischen Mitte und Friedrichshain bildete, existiert seit 1963 nicht mehr. Sie begann an der Neuen Königstraße (heute Otto-Braun-Straße) und verlief in etwa dort, wo sich die Mollstraße heute befindet.

Laut der Tochter Margot betrieb Moses Blum mit seiner Ehefrau und mehreren Angestellten ein Lebensmittel- und Delikatessengeschäft in der Kastanienallee. Die Familie lebte gutbürgerlich.

Nach 1933 begannen die Blums unter dem zunehmenden Boykott jüdischer Geschäftsleute zu leiden, bis sie schließlich gezwungen waren, ihren Laden aufzugeben. Die Familie lebte dann von ihren Ersparnissen.

Moses Blum wurde am 28. Oktober 1938 im Rahmen der „Polenaktion“ aufgrund seiner polnischen Staatsangehörigkeit verhaftet und in die Grenzstadt Bentschen (Zbąszyń) abgeschoben und interniert.

Die Lebensbedingungen in Zbąszyń waren vor allem in den ersten Tagen und Wochen katastrophal, da die polnischen Grenzbehörden von der Zwangsausweisung überrascht worden und völlig überfordert waren. Allmählich entstand ein Auffanglager mit improvisierten Notunterkünften, in denen mehr als 8.000 Menschen teilweise monatelang festsaßen. Jüdische Hilfsorganisationen, wie z.B. das amerikanische Joint Distribution Committee, unterstützten sie.

Im August 1939 leisteten die in Berlin verbliebenen Familienmitglieder ihrer Ausweisung aus Deutschland Folge: Margot konnte mit einem Kindertransport nach England auswandern, Bertha und die beiden Söhne folgten Moses Blum nach Zbąszyń. Das dortige Flüchtlingslager wurde Mitte August 1939 endgültig aufgelöst.

Moses Blum schreibt an seine Tochter Margot in England am 16. August 1939 aus Zbąszyń: „Wir wissen noch nicht, wann und wohin wir fahren werden. Jedenfalls wenn wir nicht gleich schreiben, so dürftest du nicht nachdenken, weil wir wandern und ohne ein festes Ziel nur so aufs Geratewohl.“ Aus dem Brief geht auch hervor, dass sie noch gehofft hatten, ihre Söhne Alfred und Herbert von Polen aus nach England schicken zu können. Doch diese Hoffnung sollte sich nicht erfüllen, am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen.

1940 lebte die Familie in Lublin, später zogen sie in Moses Blums Geburtsstadt Mościska. Von dort erhielt die Tochter Margot in England 1942 das letzte Lebenszeichen, einen Rot-Kreuz-Brief, danach verliert sich die Spur ihrer Eltern und Brüder.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde Mościska von der deutschen Wehrmacht besetzt und ein Ghetto für die jüdische Bevölkerung errichtet. Möglicherweise gehörten Moses, Bertha, Alfred und Herbert Blum zu den 3.000 Juden der Stadt, die im Oktober 1942 in das Vernichtungslager Belzec deportiert und ermordet wurden.