Lilli Hahn geb. Aronheim

Verlegeort
Obentrautstraße 54
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Verlegedatum
09. Mai 2025
Geboren
27. November 1898 in Berlin
Deportation
am 26. Oktober 1942 nach Riga
Ermordet
29. Oktober 1942 in Riga
Biografie

Lilli Philippine Aronheim kam am 27. November 1898 in Berlin als Tochter des jüdischen Kaufmanns Albert Aronheim und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Becker, zur Welt. 

Um 1900 erwarb ihr Vater das Haus Reichenberger Straße 123, in dem die Familie Aronheim auch wohnte. Seit etwa 1904 gehörten Albert Aronheim auch noch die Grundstücke Teltower Straße 25 und 26 – 1936 umbenannt und umnummeriert in Obentrautstraße 52 und 54. Laut Berliner Adressbuch bezog die Familie um 1906 die Wohnung im ersten Stock der Teltower Straße 26.

Nach dem Tod von Albert Aronheim am 30. Mai 1918 wurde Lillis Mutter Eigentümerin der Häuser. Das Haus Teltower Straße 25 verkaufte sie Mitte der 1920er Jahre, die Reichenberger Straße 123 um 1933.

Lilli Aronheim heiratete am 14. August 1919 den jüdischen Kaufmann Paul Hahn, geb. am 1. Juni 1887 in Berlin. Dieser zog nach der Hochzeit zu seiner Frau in die Teltower Straße 26. Am 29. April 1921 kam die Tochter Inge Erika zur Welt. Leider haben sich ansonsten keine Zeugnisse erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie Hahn im Berlin der 1920er Jahre geben könnten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Hahn. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. 

Das Grundstück Obentrautstraße 54, das etwa 1932 von Gertrud Aronheim auf ihre Tochter Lilli übertragen worden war, musste Ende 1938 zwangsweise unter Wert verkauft werden. Die Familie lebte aber weiterhin dort zur Miete.

Die Familie Hahn und Gertrud Aronheim hatten die Absicht, Anfang Mai 1939 nach Ecuador zu emigrieren und sich dort in der Landwirtschaft zu betätigen – Arbeit in der Landwirtschaft oder eine industrielle Tätigkeit gehörten zu den Auflagen der ecuadorianischen Behörden für die Aufnahme von Flüchtlingen. Die Packerlaubnis war von den deutschen Behörden erteilt und die Fahrkarte gekauft worden, allerdings verzögerte sich die Erteilung der für ihre Auswanderung benötigten Einreisepapiere. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 machte die Auswanderungspläne zunichte.

Lillis Mutter Gertrud Aronheim starb am 28. Oktober 1941 in ihrer Wohnung an Unterleibskrebs. Ab einem unbekannten Zeitpunkt musste die Familie zwei Zimmer ihrer 4-Zimmer-Wohnung an zwei Ehepaare untervermieten, die in sogenannten „Mischehen“ lebten – die Männer waren Juden, ihre Ehefrauen „Arierinnen“. Alle Mitglieder der Familie mussten Zwangsarbeit verrichten: Lilli Hahn war bei der Chemischen Fabrik J. D. Riedel in Britz, ihr Ehemann beim Abbruchunternehmen A. M. Barth in der Landsberger Allee 154-155 und die Tochter bei den Siemens-Schuckertwerken, Kleinbauwerk, zwangsverpflichtet.

Lilli, Paul und Inge Erika Hahn wurden am 26. Oktober 1942 mit dem 22. Osttransport von Berlin nach Riga deportiert, wo sie gleich nach der Ankunft am 29. Oktober ermordet wurden.