- Verlegeort
- Schlossstr. 32
- Bezirk/Ortsteil
- Charlottenburg
- Verlegedatum
-
16. April 2026
- Geboren
- 07. Juni 1902 in Dortmund
- Beruf
- Schneiderin
- Flucht
- 1939 nach England
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Überlebt
Alice Bertha Rosenberg wurde am 7. Juni 1902 als Tochter von Hirsch und Hedwig Rosenberg in Dortmund geboren. Sie hatte noch einen jüngeren Bruder namens Walter. 1912 zog sie mit ihrer Familie nach Berlin. Von 1914 bis 1919 besuchte Alice die Schule in der Dankelmannstraße, wo sie auch ihr Reifezeugnis erwarb. Anschließend erlernte sie das Schneiderhandwerk bei der Firma Liese Siebert. 1923 machte sie sich mit einem eigenen Atelier selbständig und beschäftigte fünf bis sechs Mitarbeiterinnen. Ihre Schneiderei lag im Wohnhaus ihrer Eltern in der Schlossstraße 32 in Charlottenburg.
Im August 1925 heiratete Alice Bolek Neuding in einer Synagoge in Bodenbach bei Děčín. Wie und wo sich die beiden kennengelernt hatten, bleibt verborgen. Am 28. Februar 1927 wurde ihr Sohn Peter geboren. Doch die Ehe hielt nicht lang, 1930 trennten sich Alice und ihr Mann. Alice zog mit dem kleinen Peter zurück in die Schlossstraße 32 und wohnte wieder bei ihren Eltern. Da ihr Atelier im selben Haus lag, war ihr Arbeitsweg erdenklich kurz, was sicherlich ermöglichte, dass sie trotz Arbeit ihren Sohn Peter sehen konnte. Ein Jahr später musste Alice erleben, wie ihr Vater starb, ab diesem Zeitpunkt war sie die Alleinverdienerin der Familie.
Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird für Alice, ihre Mutter und die erweiterte Familie mit großer Sorge aufgenommen worden sein. 1936 verließ ihr Bruder Walter Rosenberg Deutschland nach mehreren Verhaftungen durch die Gestapo und floh in die Schweiz. Ab dem 31. Dezember 1938 durfte Alice nicht mehr selbständig arbeiten; das Berufsverbot durch die Nürnberger Gesetze wurde am 18. Januar 1939 vollständig umgesetzt. Da sie als Alleinversorgerin für ihren Sohn und ihre Mutter verantwortlich war, sah sie sich gezwungen, auszuwandern. Als eine der letzten Möglichkeiten blieb Alice, ein Visum als Dienstmädchen in England zu beantragen, das nur alleinstehenden Frauen vorbehalten war. Ihre Mutter Hedwig brachte sie zu ihrem Großonkel, Max Feldheim. Ihren Sohn Peter brachte sie bei ihrem Onkel Benno Feldheim und dessen Frau Else in der Wallstraße unter. Da die Ehefrauen ihrer Onkel beides keine Jüdinnen waren, waren Benno und Max Feldheim durch die „privilegierte Mischehe“ vor der direkten Verfolgung geschützt, auch wenn dieser Schutz bis zuletzt fragil war und für die Zeitgenoss*innen sicherlich nicht als zuverlässig empfunden werden konnte.
Wir können davon ausgehen, dass es nach dem deutschen Überfall auf Polen – also bereits sechs Monate nach Alice‘ Ausreise – unmöglich war, Kontakt nach Deutschland aufrecht zu halten. Alice wird völlig auf sich allein gestellt gewesen sein, ohne zu wissen, wie es ihrem Sohn und ihrer Familie in Berlin ging. In London lebte Alice in der Woodstock Avenue und heiratete im Oktober 1940 den 16 Jahre älteren deutschen Immigranten Martin Moses Straus. Ihre Arbeit als Hausmädchen musste sie aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges konnte Alice beim Roten Kreuz in London Anfragen über den Verbleib ihres Sohnes Peter stellen.
Bis zu ihrem Tod am 2. Februar 1976 – auf den Tag 33 Jahre nach der Internierung ihres Sohnes Peter – bekam Alice Straus nie ein Zeugnis über den Tod ihres Sohnes. Sie wusste nur, dass er am 2. Februar 1942 nach Auschwitz deportiert wurde. Auch über ihre Mutter wusste Alice nur, dass sie am 16. Juni 1943 nach Theresienstadt und dann ein Jahr später, am 18. Mai 1944, nach Auschwitz deportiert wurde. So wurde auch ihre Mutter in Auschwitz ermordet.
Alice ist auf dem Edmonton Cemetery in London begraben.
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