Hedwig Rosenberg geb. Feldheim

Verlegeort
Schlossstr. 32
Bezirk/Ortsteil
Charlottenburg
Geboren
18. September 1876 in Dortmund
Deportation
am 16. Juni 1943 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 18. Mai 1944 nach Auschwitz
Ermordet
Mai 1944 in Auschwitz
Biografie

Hedwig Feldheim wurde am 18. September 1876 in Dortmund geboren. Sie stammte aus einer großen Familie und hatte zwei Brüder namens Max und Benno, mit denen sie ihr Leben lang eng verbunden sein sollte. 

Am 1. August 1901 heiratete Hedwig in Dortmund den Kaufmann Hirsch Rosenberg. Am 7. Juni 1902 wurde ihre Tochter Bertha Alice geboren, am 25. Juli 1903 ihr Sohn Isaak Walter Rosenberg. Hedwig war als Hausfrau tätig. 1912 zog die Familie nach Berlin, zunächst ans Hansaufer in Berlin-Mitte, 1915 dann zog die Familie in die Schlossstraße 32 in Berlin-Charlottenburg. Auch ihre Brüder waren nach Berlin gezogen und hatten sich als Kaufleute selbstständig gemacht – Max handelte mit Pelzen und lebte im vornehmen Dahlem, während Benno auf der Fischerinsel ein Geschäft für Damenhüte führte. Hedwigs Tochter Alice war ebenfalls der Stoffbearbeitung zugetan und machte nach ihrer schulischen Ausbildung eine Lehre im Schneiderhandwerk. Sie eröffnete dann eine gut laufende Schneiderei im Wohnhaus ihrer Eltern in der Charlottenburger Schlosstr. 32. Hedwig erlebte die Geburt ihres Enkels Peter, nachdem ihre Tochter Boleslav Neuding geheiratet hatte. Doch die Ehe hielt nicht lang, so dass ihre Tochter Alice mit ihrem kleinen Sohn Peter wieder zu ihr und ihrem Mann in ihr Elternhaus zog. Vermutlich passte Hedwig viel auf ihren Enkel auf. 

Dann musste Hedwig erleben, wie ihr Mann Hirsch 1931 starb. Die Familie wird eng zusammengerückt sein, und als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, werden alle Familienmitglieder die Auswirkungen des Antisemitismus einschneidend gespürt haben. Aufgrund der zunehmenden Drangsalierung der jüdischen Bevölkerung in Berlin lief Alice‘ Schneiderei nicht mehr gut, bis sie endgültig gezwungen war, diese 1938 zu schließen. So kamen die Familienmitglieder zu einem schweren Entschluss: Alice emigrierte im März 1939 nach England, Hedwig selbst zog zu ihrem Bruder Max und seiner nicht-jüdischen Frau in die Haderslebener Straße 30 in Dahlem. Max Feldheim hatte sein Haus rechtzeitig auf seine Frau übertragen und das Ehepaar konnte seinen Lebensunterhalt durch Mieteinnahmen sichern. Hedwigs Enkel kam bei ihrem anderen Bruder, Benno und seiner nicht-jüdischen Frau Else in Mitte unter. Hedwigs Sohn Walter entschloss sich ebenfalls zur Flucht in die Schweiz.

Am 16. Juni 1943 wurde Hedwig Rosenberg nach Theresienstadt deportiert. Zuvor hatte Joseph Goebbels Berlin als „judenfrei” deklariert. Hedwig überlebte fast ein Jahr die unmenschlichen Bedingungen in Theresienstadt, als sie am 18. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert wurde. Das genaue Datum ihres Todes ist nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass sie direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet wurde. Ihre Tochter Alice und ihr Sohn Walter stellten in den 1950er Jahren gemeinsam einen Entschädigungsantrag. Sie erhielten Entschädigung für die Monate, in denen Hedwig den Stern tragen musste. Auch Hedwigs Enkel Peter wurde in Auschwitz ermordet, er wurde am 2. Februar 1943 deportiert.