Sophie Feldmann geb. Wagner

Verlegeort
Tabbertstraße 14
Bezirk/Ortsteil
Oberschöneweide
Verlegedatum
03. März 2023
Geboren
30. Juli 1866 in Breslau / Wrocław
Flucht in den Tod
15. Januar 1942
Biografie

Sophie Wagner wurde am 30. Juli 1866 in Breslau, Schlesien (heute Polen) geboren. Ihr Vater David Wagner (1842-1909) stammte aus Danzig und führte eine Getreide-, Klee-, und Futtermittelgroßhandlung in Breslau, wo er fast sein ganzen Leben verbrachte. Ihre Mutter Cäcilie führte den Haushalt und kümmerte sich um Sophie und ihre sechs Geschwister, die nach ihr geboren wurden. Die Familie bewohnte eine große Wohnung in Breslau.

Am 7. März 1886 heiratete Sophie in Breslau den Färbereibesitzer Simon Feldmann, der aus Boskowitz (Mähren, damals Österreich) stammte und in Berlin (in der Stralauer Straße 41) ein Wohn- und Fabrikgebäude besaß. Sie bekamen sieben Kinder, wobei zwei bereits im Kleinkindalter sterben. Elsa, Margarete, Charlotte und Fritz wuchsen in Berlin und Ruth in Oberschöneweide auf. Dort, in Schöneweide, erwarb Simon 1898 ein größeres, an der Spree gelegenes Grundstück zur Vergrößerung seines Betriebes. Alle Kinder mussten, auf Drängen des Vaters, einen praktischen Beruf erlernen, was damals noch nicht Sitte in gutsituierten Familien war. Im Jahr 1925 starb Simon, Sophie und Fritz übernahmen die Leitung der Färberei und führten das Unternehmen weiter.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den darauf folgenden Repressalien verloren viele deutsche Juden ihre Existenzsicherung und wurden ihres Vermögens beraubt. Auch Sophie war davon betroffen. Sie musste zunächst besondere Judensteuern und Abgaben zahlen, später wurde der Betrieb stillgelegt. Ihr Sohn Fritz starb am 29. November 1938 infolge der Repressalien an Herzversagen. Nach seinem Tod zogen Sophies Bruder Willy Wagner und seine Frau zu ihr nach Oberschöneweide. Ein Jahr später, am 12. November 1939 verlor Sophie ihre Tochter Ruth an den Folgen einer Lungentuberkulose und an Erschöpfung. Auch Sophie war mittlerweile schwerkrank.

Am 10. Januar 1942 kam ein Gestapobeamter in die Tabbertstraße 14, um die Anordnung für Sophies Ausweisung und Deportation zu klären. Willy Wagner konnte hier zwar kurz einschreiten, doch die endgültige Deportationsaufforderung konnte er nicht verhindern. Anfang Januar 1942 wurde Fanny Salm, die letzte Haushaltshilfe von Sophie, aus der Tabbertstraße deportiert.

Aufgrund dieser Ereignisse nahm sich Sophie mit einer hohen Dosis Schlafmittel das Leben und entzog sich damit ihrer Deportation. Sie starb am 15. Januar 1942.