Charlotte Orbach geb. Mandel wurde am 23. Juni 1897 in Königs Wusterhausen bei Berlin geboren. Sie war Tochter des Kaufmanns Michaelis Mandel (geb. 21. Dezember 1859, gest. 30.Mai 1910) und seiner Frau Margaretha, geb. Schönlank (geb. 13. Januar 1865, gest. 29. Oktober 1940). Charlotte hatte zwei Brüder.
Jean Mandel (Geburtsdatum unbekannt) besaß zusammen mit seinen Eltern Michaelis und Margaretha in Königs Wusterhausen in der Bahnhofstraße 24/25 das Textilgeschäft „Centrum Kaufhaus“ und in der Schlossstraße 6 ein zweites Textilgeschäft. Bis Anfang 1936 existierten beide Geschäfte. 1936 wanderte Jean mit seiner Familie über Shanghai aus und gelangte später nach Israel. Nach dem Krieg kamen sie wieder nach Deutschland zurück.
Charlottes älterer Bruder Erich (*18. September 1894) fiel gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 8. Dezember 1914.
Michaelis Mandel war der Bruder von Nachle Mandel. Beide wurden in Friedersdorf im Abstand von 9 Jahren geboren. Nachle war demnach die Tante von Charlotte Orbach.
Am 1. November 1921 verlobte sich Charlotte mit dem am 22. März 1885 in Neustettin geborenen Max Orbach. In der Zeitungsanzeige war als Adresse der Verlobten die Friedenauer Hertelstraße 6 angegeben. Die Hochzeit fand ein Jahr später, am 31. Mai 1922, statt.
Die Eheleute bekamen zwei Kinder. Am 8. März 1923 wurde Gunter Joachim geboren. Vier Jahre später kam seine Schwester Rita am 1. Januar 1927 auf die Welt.
Max Orbach war Kaufmann und als solcher ab 1934 unter der Adresse Hektorstraße 16 in den Adressbüchern eingetragen. Als er am 16. März 1942 verstarb, war die Familie bereits aus der Hektorstraße 16 aus- und in die Güntzelstraße 35 eingewiesen worden.
Max Orbach hatte sich eine komplizierte offene Oberschenkelfraktur zugezogen und war an den damit verbundenen Komplikationen verstorben. Auf der Sterbeurkunde war als Beruf „Maschinenarbeiter“ angegeben, obwohl Max Orbach immer Kaufmann war – ein Hinweis darauf, dass er als Zwangsarbeiter eingesetzt wurde und er die Fraktur möglicherweise an seinem Arbeitsplatz erlitt.
Charlottes Mutter Margaretha war am 29. Oktober 1940 im Alter von 76 Jahren gestorben. Sie lebte in der Bamberger Straße 26. Zu diesem Zeitpunkt wohnten die Orbachs noch in der Hektorstraße 16. Als Untermieterin war Charlottes Tante Nachle Mandel bei ihnen gemeldet.
Charlottes und Max’ Sohn Gunter überlebte den
Holocaust
in England. Möglicherweise ist er mit einem
Kindertransport
nach England gebracht worden. Als nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 die Grenzen für flüchtende Juden geschlossen wurden, war Gunter Orbach 16 Jahre alt. Er muss also schon vor diesem entscheidenden Datum Deutschland verlassen haben.
Gunter Orbach verstarb im Alter von 60 Jahren in Newcastle Upon Tyne. Auf seinem Grabstein wird auch seiner ermordeten Mutter Charlotte und seiner Schwester Rita gedacht, die am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.
Charlotte und Rita mussten nochmals die Unterkunft wechseln, bevor sie deportiert wurden. Auf der Transportliste ist die Westfälische Straße 59 als ihre letzte Adresse angegeben. Vermutlich waren Mutter und Tochter bei einem der zahlreichen in dem Haus lebenden jüdischen Mieter untergebracht.
Der „33. Osttransport“ nach Auschwitz umfasste 1731 Menschen. Ob Mutter und Tochter im Vernichtungslager noch registriert oder sofort in einer der Gaskammern ermordet wurden, ist nicht bekannt.
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