Nachle Mandel wurde am 20. Juli 1868 in Friedersdorf Kreis Beeskow Storkow bei Berlin geboren. Die Eltern waren der „Handelsmann“ Meyer Mandel und Henriette (Jette) Mandel geb. Kassel. Nachle war das jüngste von vier Geschwistern. Minna, verh. Steinberg (1858 – 25. April 1914), Michaelis (21. Dezember 1859 – 30. Mai 1910) und Max (14. Dezember 1862 – 10. Februar 1914) wurden ebenfalls alle in Friedersdorf geboren.
Nachle blieb unverheiratet und zog wie ihre Geschwister nach Berlin. Es ist nicht bekannt, wo sie all die Jahre lebte. Sie ist in keinem der Berliner Adressbücher aufgeführt, möglicherweise hat sie immer bei einem Verwandten gewohnt.
Zur Zeit der Volkszählung im Mai 1939, in der Juden in einer Sonderkartei erfasst wurden, war sie bei ihrer Nichte Charlotte Orbach, der Tochter ihres Bruders Michaelis in der Hektorstraße 16 gemeldet. Seit wann sie dort gelebt hat, ist nicht bekannt.
Infolge des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden vom April 1939 konnten jüdische Mieter von heute auf morgen gekündigt und zwangsumgesetzt werden. Innerhalb weniger Tage mussten sie dann den Umzug organisieren.
Charlotte, ihr Mann Max und die Tochter Rita wurden aus der Hektorstaße 16 aus- und in die Güntzelstraße 25 eingewiesen. Auch Nachle musste die Wohnung verlassen und kam in das Altersheim in der Gormannstraße 3. Dort hatte schon ihre Schwester Minna gelebt, sie war 1914 in demselben Heim gestorben.
Am 17. August 1942 wurden aus diesem Altersheim 77 Jüdinnen und Juden abgeholt und mit dem sogenannten 1. großen Alterstransport (Welle 26) nach Theresienstadt deportiert. Der Transport umfasste 1002 Menschen und ging vom Güterbahnhof Berlin-Moabit ab.
Nachle überlebte die grauenvollen Verhältnisse des Lagers nur 2 Wochen. Sie starb am 2. September 1942. Auf der Todesfallanzeige attestierte der Lagerarzt Leo Müller als Todesursache „Altersschwäche und Lungenentzündung“, eine der üblichen Diagnosen, die verschleiern sollten, dass Hunger, katastrophale hygienische Verhältnisse und mangelnde medizinische Versorgung zum Tod der Lagerinsassen geführt hatten.
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