Berta Leidert née Driebe

Location 
Landshuter Straße 5
District
Schöneberg
Stone was laid
18 October 2024
Born
27 February 1885 in Berlin
Survived
Biography

Berta Leidert, geborene Driebe, wurde am 27. Februar 1885 als Auguste Klara Berta Driebe in Berlin‑Charlottenburg geboren. Sie wuchs in einer evangelischen Familie auf. Ihr Vater war Hermann Driebe, ihre Mutter Friederike Driebe. Über ihre Kindheit, Jugend und Ausbildung ist nichts überliefert. Auch ob sie Geschwister hatte, ist nicht bekannt.

Am 7. Februar 1920 heiratete Berta Driebe im Alter von 34 Jahren den Kaufmann Hugo Leidert. Er war 37 Jahre alt und hatte vor der Eheschließung die Jüdische Gemeinde verlassen und sich evangelisch taufen lassen. Im August desselben Jahres kam die gemeinsame Tochter Rita zur Welt. Spätestens ab 1931 lebte die Familie in der Landshuter Straße 5 in Berlin.

Hugo Leidert führte eine Großhandlung für Posamenten, also für schmückende textile Erzeugnisse wie Borten, Kordeln und Zierbänder. Es ist daher anzunehmen, dass die Familie zunächst in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen lebte. Wie Berta Leidert und ihre Familie die ersten Jahre des Nationalsozialismus erlebten, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Die Ehe galt nach nationalsozialistischer Definition als „privilegiert“, was sie jedoch nicht vor Repressionen schützte.

Ein Bruder von Hugo Leidert, der jüdische Rechtsanwalt Heinrich Leidert, floh 1939 gemeinsam mit seiner nichtjüdischen Ehefrau nach Shanghai. Nach dem Ende des Krieges kehrte er nach Berlin zurück und wurde wieder als Anwalt zugelassen. Für Berta Leidert blieb die Situation hingegen zunehmend bedrohlich.

Ab 1942 wurde Hugo Leidert zur Zwangsarbeit in einer Firma in Berlin‑Treptow verpflichtet. Im Laufe desselben Jahres verhaftete ihn die Gestapo und brachte ihn in das Gestapo‑Gefängnis in der Albrechtstraße. Als seine Tochter Rita ihn dort besuchte und versuchte, ihm Lebensmittel zu übergeben, wurde auch sie kurzfristig festgenommen. Wenig später deportierten die Behörden Hugo Leidert nach Auschwitz. Er starb dort am 22. Februar 1943; als Todesursache wurde eine Herzmuskelentzündung angegeben.

Bereits ab 1937 hatte Berta Leidert versucht, den ideellen hälftigen Anteil ihres Mannes an einem Grundstück in Zossen‑Dabendorf auf sich und ihre Tochter überschreiben zu lassen. Die andere Hälfte des Grundstücks gehörte Hugos Bruder Heinrich Leidert. Das Verfahren zog sich über Jahre hin und endete im Februar 1945 mit einer Ablehnung. Zur Begründung hieß es, der Anteil von Heinrich Leidert sei „dem Reich verfallen“, da er sich im Ausland aufhalte. Auch der Anteil von Hugo Leidert sei auf diese Weise eingezogen worden. Die Tochter Rita müsse beide Anteile vom Reich zurückkaufen. Ob es dazu kam, ist nicht bekannt.

Währenddessen hatten Berta Leidert, ihre Tochter Rita und deren 1941 geborener Sohn Wolfgang Berlin im Jahr 1942 illegal verlassen. Bis zum Kriegsende hielten sie sich in Wusterwitz versteckt, bei der Familie von Ritas Lebensgefährten Karl‑Heinz Lackert. Nach dem Ende des Nationalsozialismus heiratete Rita den Vater ihres Kindes. Im Juni 1946 wurde ein weiterer Sohn geboren, Werner Bernd Heinz.

Wie Berta Leidert die letzten Kriegsjahre und die Zeit danach erlebte, ist nicht überliefert. Ihr Lebensweg steht exemplarisch für die Unsicherheit, den Verlust und die existenziellen Bedrohungen, denen auch nichtjüdische Ehepartnerinnen und Familienangehörige von Verfolgten im Nationalsozialismus ausgesetzt waren.