Rita Leidert

Location 
Landshuter Straße 5
District
Schöneberg
Stone was laid
18 October 2024
Born
14 August 1920 in Berlin
Arrested
von 12 February 1942 to bis 14 December 1942 in Gestapo-Zentrale
Survived
Biography

Rita Leidert wurde am 14. August 1920 in Berlin geboren. Sie war die Tochter von Hugo Leidert und Berta Leidert, geborene Driebe. Rita wurde evangelisch getauft und gefirmt. Ihr Vater war vor der Ehe mit ihrer Mutter aus der Jüdischen Gemeinde ausgetreten und zum evangelischen Glauben übergetreten.
Rita wuchs in Berlin auf und lebte mit ihren Eltern spätestens ab 1931 in der Landshuter Straße 5. Ihr Vater führte eine Großhandlung für Posamenten, also für schmückende textile Erzeugnisse wie Zierbänder, Borten, Kordeln, Quasten und Spitzen. Es ist daher anzunehmen, dass die Familie zunächst in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen lebte.
Zu Ritas Jugend und Schulzeit sind keine weiteren Informationen überliefert. Anfang des Jahres 1941 bekam sie mit ihrem Freund Karl‑Heinz Lackert einen Sohn, Wolfgang. Damit fiel ihre junge Mutterschaft in eine Zeit zunehmender Verfolgung und Ausgrenzung ihrer Familie durch die nationalsozialistischen Behörden.
Ein Bruder ihres Vaters, der jüdische Rechtsanwalt Heinrich Leidert, floh im August 1939 gemeinsam mit seiner nichtjüdischen Ehefrau Elisabeth nach Shanghai. Nach dem Ende des Nationalsozialismus kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete erneut als Anwalt. Heinrich Leidert und Hugo Leidert hatten zu gleichen Teilen von ihrem Vater Simon Leidert ein Grundstück in Zossen‑Dabendorf geerbt. Dieses Grundstück sollte später an Rita übergehen. Die Übertragung zog sich jedoch über Jahre hin und wurde erst im Februar 1945 endgültig abgelehnt. Die zuständigen Behörden begründeten dies damit, dass Heinrich Leidert sich im Ausland aufhalte und sein Vermögen gemäß der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz dem Staat verfallen sei. Auch der Anteil von Hugo Leidert wurde eingezogen. Ob Rita das Grundstück nach dem Krieg jemals übernehmen konnte, ist nicht bekannt.
Im Jahr 1942 wurde Ritas Vater Hugo Leidert zur Zwangsarbeit in einer Firma in Berlin‑Treptow herangezogen und wenig später im Gestapo ‑Gefängnis in der Albrechtstraße inhaftiert. Als Rita ihn dort besuchte und versuchte, ihm Lebensmittel zu übergeben, wurde auch sie selbst verhaftet und vom 12. bis 14. Dezember 1942 festgehalten. Zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt deportierten die Behörden Hugo Leidert nach Auschwitz. Er starb dort am 22. Februar 1943; als Todesursache wurde eine Herzmuskelentzündung angegeben. Sein Vermögen wurde eingezogen.
Nach der Verhaftung und Deportation ihres Vaters verließ Rita Leidert gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Sohn Wolfgang Berlin illegal. Sie hielten sich bis zum Ende des Krieges in Wusterwitz verborgen, bei der Familie von Karl‑Heinz Lackert. Diese Zeit war geprägt von Unsicherheit und der ständigen Gefahr, entdeckt zu werden.
Nach dem Ende des Nationalsozialismus heiratete Rita den Vater ihres Kindes, Karl‑Heinz Lackert. Im Juni 1946 kam ein weiterer Sohn zur Welt, Werner Bernd Heinz. Wie Rita Leidert ihr weiteres Leben gestaltete, ist nicht überliefert. Ihre Biografie zeigt jedoch eindrücklich, wie stark auch junge Frauen und Mütter von Verfolgung, Entrechtung und existenzieller Bedrohung im Nationalsozialismus betroffen waren.