Max Nordon

Location 
Otto-Braun-Straße 90
Historical name
An der Bartholomäuskirche 2
District
Friedrichshain
Stone was laid
09 March 2025
Born
04 August 1903 in Lewin (Schlesien) / Lewin Kłodzki
Interned
in KZ Buchenwald
Deportation
on 19 February 1943 to Auschwitz
Murdered
Biography

Max Nordon kam am 4. August 1903 in Lewin in der preußischen Provinz Schlesien als Sohn des jüdischen Arztes Dr. Jean Nordon und dessen Ehefrau Martha, geb. Wohl, zur Welt. Der Ort Lewin (polnisch Lewin Kłodzki) liegt etwa 100 km südwestlich von Breslau, nahe der heutigen polnisch-tschechischen Grenze. Max Nordon hatte noch zwei Geschwister: Dora (geb. 1897) und Martin (geb. ca. 1898, gest. 1928).

Er ging in Lewin zur Schule, bis seine Eltern nach Annaberg im Erzgebirge übersiedelten. Dort besuchte er das Gymnasium bis zur mittleren Reife, anschließend absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei der Posamenten-Firma Knapp in Annaberg.

Annaberg entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem weltweiten Zentrum der Posamentenherstellung. Posamente ist eine Sammelbezeichnung für schmückende Geflechte, wie Zierbänder, Borten, Kordeln, Litzen, Quasten, Volants, Spitzen, überzogene Knöpfe, etc. Sie werden ohne weitere Funktion zum Ausschmücken von Kleidung, Polstermöbeln, Lampenschirmen, Vorhängen und anderen Heimtextilien appliziert. Bedingt durch den damaligen Zeitgeschmack in Mode und Einrichtung war der Bedarf an diesen Produkten groß und Annaberger Firmen unterhielten Niederlassungen in zahlreichen Metropolen der Welt, wie Paris, London und New York. 

Nach Beendigung seiner Lehrzeit war Max Nordon mehrere Jahre in der Textilwaren-Firma seines Onkels Benno Nordon in Berlin tätig, bis er sich mit einer eigenen Posamenten-Firma in Annaberg selbständig machte. 

Antisemitische Tendenzen hatten sich bereits ab Mitte der 1920er Jahre, besonders aber während der Weltwirtschaftskrise, auch in Annaberg bemerkbar gemacht. 1913 hatte die Stadt noch 130 jüdische Einwohner, bis 1932 war deren Zahl auf 57 gesunken. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wanderten weitere Juden ab. Max Nordon blieb, er war auch Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Annaberg. Sicherlich litt auch seine Firma unter dem zunehmenden Boykott jüdischer Geschäftsleute, bis er schließlich gezwungen war, sie aufzugeben. 

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden Max Nordon und weitere jüdische Bewohner Annabergs von der Gestapo verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Am 21. November 1938 wurde er aus dem KZ entlassen, „körperlich gebrochen und sehr an Angstzuständen leidend“, wie seine Schwester Dora nach dem Krieg in den Entschädigungsakten schildert. Die Gestapo zwang ihn, seinen Wohnsitz in Annaberg aufzugeben und nach Berlin zu übersiedeln. 

Als Max Nordon am 26. Januar 1939 in Berlin die Kontoristin Lotte Rosenberg, geb. am 19. September 1910 in Schlawe (Pommern), heiratete, war er noch in Annaberg gemeldet – vermutlich dauerte es längere Zeit, den Haushalt und das Geschäft endgültig aufzulösen. Das war auch bei der Volkszählung im Mai 1939 noch der Fall – seine Ehefrau Lotte wohnte zu diesem Zeitpunkt bei Max Nordons Tante Rosa, geb. Wohl, und deren Ehemann Max Loewy im Haus An der Bartholomäuskirche 2 im Friedrichshain. 

Die kleine Straße An der Bartholomäuskirche gibt es nicht mehr. Sie verlief südlich der heute noch existierenden St.-Bartholomäus-Kirche und verband die Neue Königstraße (heute Otto-Braun-Straße) mit der Georgenkirchstraße.

Im Juni 1939 übersiedelte Max Nordon endgültig von Annaberg nach Berlin. Seine Schwester Dora war Anfang 1939 mit ihrem Ehemann Ernst Matthias Nachtlicht und den beiden Söhnen nach Australien ausgewandert. Max' verwitwete Mutter Martha Nordon war am 9. November 1938 in der Wohnung ihrer Tochter Dora und ihres Schwiegersohns in Berlin-Wilmersdorf an Leberkrebs und einer Darmblutung verstorben. 

Sein Onkel Max Loewy starb am 18. Juli 1940 in der Wohnung An der Bartholomäuskirche 2. Rosa Loewy wurde der Mietvertrag gekündigt, sie zog Ende Mai 1941 zu einer Schwester, die im Prenzlauer Berg lebte. Wo Lotte und Max Nordon zunächst unterkamen, ist nicht bekannt. Rosa Loewy wurde am 29. Oktober 1941 mit dem 3. Osttransport von Berlin in das Ghetto Lodz und am 4. Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert und ermordet.

Seit Dezember 1941 bewohnten Max und Lotte Nordon ein Zimmer zur Untermiete in der Courbièrestraße 1 in Schöneberg. Beide mussten Zwangsarbeit leisten: Max Nordon als Dreher bei der Waffenfabrik Gustav Genschow & Co. in Treptow, seine Ehefrau beim Berliner Fernsprech- und Telegraphen-Werk Ferdinand Schuchhardt in der Köpenicker Straße 55.

Max und Lotte Nordon wurden vom Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 am 19. Februar 1943 mit dem 29. Osttransport nach Auschwitz deportiert und ermordet.