- Location
- Otto-Braun-Straße 90
- Historical name
- An der Bartholomäuskirche 2
- District
- Friedrichshain
- Stone was laid
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09 March 2025
- Born
- 05 December 1884 in Bublitz (Pommern) / Bobolice
- Deportation
- on 29 October 1941 to Łódź / Litzmannstadt
- Later deported
- on 04 May 1942 to Chełmno / Kulmhof
-
Murdered
- 04 May 1942 in Chełmno / Kulmhof
Rosa Wohl kam am 5. Dezember 1884 in Bublitz in der preußischen Provinz Pommern als Tochter des jüdischen Kaufmanns Gustav Wohl und dessen Ehefrau Jenny, geb. Arnholz, zur Welt. Die Kleinstadt Bublitz (polnisch Bobolice) liegt 150 km westlich von Danzig. Gustav Wohl handelte mit Getreide und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Rosa hatte noch zwölf Geschwister: Martha (*1877), Betty (*1878), Margarete (*1879), Clara (*1881), Alexander (*1883), Leonhard (*1886), Sophie (1887–1887), Siegfried (*1889), Oscar (*1893), Max (*1895), Lucie (1897–1897) und Karl (1901–1902). Über die Kindheit und Jugend von Rosa Wohl haben sich keine Informationen erhalten.
Rosas ältere Schwester Betty heiratete 1898 in Berlin den jüdischen Kaufmann Salo Loewy, geb. 1869 in Breslau. Dadurch lernte Rosa dessen Bruder Max kennen, mit dem Salo in der Reichshauptstadt eine Krawattenfabrik betrieb.
Rosa Wohl heiratete am 11. April 1908 in Bublitz den Kaufmann Max Loewy, geb. am 15. Mai 1868 in Breslau. Sie zog nach der Hochzeit zu ihrem Ehemann nach Berlin und brachte dort am 23. Februar 1909 den Sohn Heinz zur Welt.
Seit 1913 lebte die Familie Loewy im Haus An der Bartholomäuskirche 2 im Friedrichshain. Diese kleine Straße gibt es nicht mehr. Sie verlief südlich der heute noch existierenden St.-Bartholomäus-Kirche und verband die Neue Königstraße (heute Otto-Braun-Straße) mit der Georgenkirchstraße.
Zu einem unbekannten Zeitpunkt verlegte sich Max Loewy auf die Fabrikation von Regen- bzw. Gummimänteln. Er war damit sehr erfolgreich und konnte seiner Familie einen hohen Lebensstandard ermöglichen. Sohn Heinz schildert später in den Entschädigungsakten, dass er eine sehr glückliche Kindheit und Jugend verlebte und seine Eltern ihm eine gute Ausbildung angedeihen ließen.
1936 nahm Max Loewy seinen Sohn als Mitinhaber in die Regenmantelfabrik auf. 1937 musste die Firma, die sich in der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Karl-Liebknecht-Straße) in Mitte befand, teilweise arisiert werden: Max Loewy wurde gezwungen, aus dem Unternehmen auszuscheiden und der „arische“ Kaufmann Georg Kausch aufgenommen. Im Sommer 1938 musste auch Heinz Loewy die Firma verlassen. Aufgrund der zunehmenden Entrechtung und Verfolgung von Juden und des Verlusts seiner Existenz sah er für sich in Deutschland keine Zukunft mehr und verließ Berlin im Oktober 1938. Er wanderte über Frankreich und Uruguay nach Buenos Aires aus. Heinz Loewy hatte eigentlich geplant, seine Eltern nachkommen zu lassen, sobald er sich in Argentinien eine Existenz aufgebaut hatte. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.
Rosas Ehemann Max Loewy starb am 18. Juli 1940 in seiner Wohnung an einer Lebergeschwulst und Herzmuskelschwäche und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.
Seiner Witwe wurde die Wohnung im Haus An der Bartholomäuskirche 2 gekündigt. Rosa zog Ende Mai 1941 zu ihrer seit 1934 verwitweten Schwester Betty Loewy in die Lippehner Straße 3 (heute Käthe-Niederkirchner-Straße) im Prenzlauer Berg.
Rosa Loewy und ihre Schwester Betty wurden Ende Oktober 1941 in die Synagoge Levetzowstraße in Moabit verschleppt, die kurz vorher zum Sammellager umfunktioniert worden war. Vom Bahnhof Grunewald wurden sie am 29. Oktober 1941 mit dem 3. Osttransport in das Ghetto Lodz und am 4. Mai 1942 weiter in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert und ermordet.
Rosas Schwester Martha, verwitwete Nordon, war bereits am 9. November 1938 in Berlin-Wilmersdorf, ihr Bruder Alexander Wohl am 21. Februar 1941 in seinem Wohnort Stolp (Pommern) verstorben.
Die Schwester Margarete wurde mit ihrem Ehemann Adolf Wohl von Stettin am 12. Februar 1940 in das Ghetto Piaski deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Ihr Bruder Siegfried Wohl wurde von Berlin am 13. Januar 1942 mit dem 8. Osttransport in das Ghetto Riga verschleppt und zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.
Der Bruder Leonhard Wohl wurde von Berlin am 19. Februar 1943 mit dem 29. Osttransport, der jüngste Bruder Max Wohl am 4. März 1943 mit dem 34. Osttransport nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Die Schwester Clara, verwitwete Manasse, war 1940 nach Brasilien ausgewandert, der Bruder Oscar war in die USA emigriert.
Rosa Loewys Sohn Heinz, der sich jetzt Enrique nannte, heiratete am 23. Januar 1941 in Buenos Aires seine Cousine Frieda Wohl, geb. 1916 in Bublitz, die Tochter von Rosas Bruder Alexander.
Sie bekamen zwei Kinder: Mónica Rosa (*1946) und Mario Alejandro (*1949). Der Neuanfang in Argentinien war schwer: Enrique Loewy war mittellos und lebte in ärmlichen Verhältnissen. Er brauchte erst eine gewisse Zeit, um die Sprache zu erlernen und sich an die veränderten klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu gewöhnen. Zunächst handelte er in kleinem Umfang mit Regenmänteln, später konnte er seinen Betrieb vergrößern.
Die Aufregungen während der Nazi-Zeit in Deutschland, die erzwungene Emigration und die anfänglich schlechten Lebensbedingungen in Argentinien hatten seine psychische und physische Gesundheit dauerhaft beeinträchtigt. Heinz Loewy verstarb 1989, seine Ehefrau Frieda 2003.
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