- Location
- Rigaer Straße 108
- Historical name
- Rigaer Straße 107
- District
- Friedrichshain
- Stone was laid
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23 September 2024
- Born
- 05 December 1908 in Tempelburg (Pommern) / Czaplinek
- Escape
- 1942 Österreich
- Arrested
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von 1942 in Wien
- Deportation
- on 05 January 1943 from Wien to Theresienstadt
-
Murdered
Erwin Philippsborn kam am 5. Dezember 1908 in Tempelburg in der preußischen Provinz Pommern als Sohn des jüdischen Fleischermeisters Arthur Philippsborn und dessen Ehefrau Rosalie, geb. Bernstein, zur Welt. Die kleine Stadt Tempelburg (polnisch Czaplinek) liegt 110 km östlich von Stettin. Erwin hatte noch zwei Geschwister: Paul (*1905) und Ruth (*1910).
Erwin Philippsborn besuchte in Tempelburg bis 1925 die Mittelschule, danach absolvierte er bis 1928 eine kaufmännische Lehre im Kaufhaus Siegmund Gotthilf in der Kleinstadt Bärwalde, die 24 km nördlich von Tempelburg liegt. Anschließend war er dort als Verkäufer angestellt, bis er um 1930 nach Berlin übersiedelte, wo er in verschiedenen Warenhäusern als Verkäufer arbeitete. Auch seine Eltern und Geschwister waren inzwischen in die Reichshauptstadt gezogen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Erwin Philippsborn aus seiner Stellung beim Warenhaus Lindemann entlassen, weil die Kollegen sich weigerten, mit Juden zusammenzuarbeiten. Danach konnte er in seinem erlernten Beruf keine Stelle mehr finden.
Ab 1936 arbeitete er als Hausangestellter in der jüdischen Pension Nelly Schwalbe in Berlin-Charlottenburg, Mommsenstraße 55. Seit Oktober 1937 war er als Hausgehilfe beim jüdischen Arzt Dr. Max Selo in der Marsiliusstraße 23 in Friedrichshain beschäftigt. Als dieser im August 1938 auswanderte, wurde Erwin Philippsborn zur Zwangsarbeit bei der Firma Schmidt, Tief- und Schachtbau, in Spandau vermittelt.
Die Ehe von Erwins Eltern war 1935 geschieden worden und sein Vater heiratete 1939 die verwitwete Frieda Ehrlich, geb. Lachmann, geb. 1883 in Ratibor (Schlesien). Erwin lebte mit seiner Mutter und dem Bruder Paul in der Rigaer Straße 107 (= Weidenweg 35). Im selben Haus wohnte auch seine Schwester Ruth, die 1934 den Nichtjuden Emil Neumann geheiratet und mit ihm zwei Töchter bekommen hatte: Ingrid (*1934) und Helga (*1938). Der Bruder Paul heiratete 1941 Annemarie Herzfeld, geb. 1921 in Berlin, und zog zur Familie seiner Ehefrau in die Dunckerstraße 21.
Erwin lebte zuletzt mit seiner Mutter in der Fruchtstraße 37 (heute Straße der Pariser Kommune), als diese Ende August 1942 abgeholt wurde. Erwins Schwester Ruth Neumann gibt nach dem Krieg gegenüber dem Entschädigungsamt an: „Daraufhin suchte mein Bruder mich sofort in größter Panik auf und ich konnte ihn nur mit Mühe davon abbringen, sich das Leben zu nehmen.“
Rosalie Philippsborn wurde am 5. September 1942 mit dem 19. Osttransport nach Riga verschleppt und gleich nach ihrer Ankunft am 8. September ermordet.
Ruth bemühte sich, ihren Bruder vor der Deportation zu bewahren und erhielt durch Bekannte die Adresse eines in Wien wohnenden Ungarn, der Menschen über die grüne Grenze nach Ungarn brachte. Erwin Philippsborn flüchtete daraufhin im September 1942 nach Wien, wo er kurz nach seiner Ankunft verhaftet und inhaftiert wurde. Er wurde am 5. Januar 1943 nach Theresienstadt deportiert, wo sich seine Spur verliert. Erwin Philippsborn wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.
Sein Vater Arthur Philippsborn war mit seiner zweiten Ehefrau Frieda am 24. Oktober 1941 mit dem 2. Osttransport in das Ghetto Lodz deportiert worden, wo er am 1. März 1942 ums Leben kam. Frieda Philippsborn wurde am 14. Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und ermordet.
Erwins Bruder Paul Philippsborn wurde mit seiner Frau Annemarie am 4. März 1943 mit dem 34. Osttransport nach Auschwitz deportiert, wo sie zur Zwangsarbeit in Auschwitz III-Monowitz selektiert wurden. Sie wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.
Die Schwester Ruth überlebte mit ihrer Familie die Shoah in Berlin und wanderte 1949 nach Israel aus.
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