Rosalie Philippsborn née Bernstein

Location 
Rigaer Straße 108
Historical name
Rigaer Straße 107
District
Friedrichshain
Stone was laid
23 September 2024
Born
15 January 1878 in Schwetz (Westpreußen) / Świecie
Deportation
on 05 September 1942 to Riga
Murdered
08 September 1942 in Riga
Biography

Rosalie Bernstein kam am 15. Januar 1878 in Schwetz (Westpreußen) in einer jüdischen Familie zur Welt. Die an der Weichsel gelegene kleine Stadt Schwetz (polnisch Świecie) befindet sich 105 km südlich von Danzig. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Rosalie Bernstein haben sich keine Informationen erhalten.

Sie heiratete am 26. Mai 1904 in Schwetz den jüdischen Fleischermeister Arthur Philippsborn, geb. am 9. Januar 1877 in Tempelburg (Pommern). Nach der Geburt des ersten Sohns Paul im Jahr 1905 zog die Familie in die etwa 160 km westlich von Schwetz gelegene Heimatstadt des Ehemanns. In Tempelburg kam 1908 der Sohn Erwin und 1910 die Tochter Ruth zur Welt.

Arthur Philippsborn übersiedelte nach dem Ersten Weltkrieg in die Reichshauptstadt, wo er 1920 eine Firma für Korsettfurnituren und Strumpfhalter gründete, die sich in der Wilmersdorfer Straße 86 in Charlottenburg befand. Die Ware ließ er in Heimarbeit fertigen. 

Ob auch Rosalie und die Kinder damals mit ihm nach Berlin zogen, ist nicht sicher: Von Erwin ist bekannt, dass er in Tempelburg bis 1925 die Schule besuchte und anschließend eine kaufmännische Lehre in der Kleinstadt Bärwalde absolvierte, die 24 km nördlich von Tempelburg liegt. Er übersiedelte erst 1930 nach Berlin, zu diesem Zeitpunkt wohnten wahrscheinlich auch seine Mutter und die Geschwister schon dort.

Die Ehe von Rosalie und Arthur Philippsborn wurde Ende 1935 geschieden, letzterer heiratete 1939 die verwitwete Frieda Ehrlich, geb. Lachmann, geb. 1883 in Ratibor (Schlesien). 

Rosalie lebte mit ihren Söhnen Paul und Erwin in der Rigaer Straße 107 (= Weidenweg 35). Im selben Haus wohnte auch ihre Tochter Ruth, die 1934 den Nichtjuden Emil Neumann geheiratet und mit ihm zwei Töchter bekommen hatte: Ingrid (*1934) und Helga (*1938). 

Sohn Paul heiratete 1941 Annemarie Herzfeld, geb. 1921 in Berlin, und zog zur Familie seiner Ehefrau in die Dunckerstraße 21.

Rosalie Philippsborn lebte zuletzt mit ihrem Sohn Erwin in der Fruchtstraße 37 (heute Straße der Pariser Kommune), als sie Ende August 1942 abgeholt wurde. Sie wurde am 5. September 1942 mit dem 19. Osttransport nach Riga deportiert und gleich nach ihrer Ankunft am 8. September ermordet.

Um diesem Schicksal zu entgehen, flüchtete Erwin Philippsborn im September 1942 nach Wien, um von dort über die grüne Grenze nach Ungarn zu gelangen. Er wurde aber kurz nach seiner Ankunft in Wien verhaftet und inhaftiert. Erwin Philippsborn wurde am 5. Januar 1943 nach Theresienstadt verschleppt, wo sich seine Spur verliert. Er wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.

Der Sohn Paul Philippsborn wurde mit seiner Frau Annemarie am 4. März 1943 mit dem 34. Osttransport nach Auschwitz deportiert, wo sie zur Zwangsarbeit in Auschwitz III-Monowitz selektiert wurden. Sie wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.

Rosalies geschiedener Ehemann Arthur Philippsborn war mit seiner zweiten Frau Frieda am 24. Oktober 1941 mit dem 2. Osttransport in das Ghetto Lodz deportiert worden, wo er am 1. März 1942 ums Leben kam. Frieda Philippsborn wurde am 14. Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und ermordet.

Die Tochter Ruth überlebte mit ihrer Familie die Shoah in Berlin und wanderte 1949 nach Israel aus.