Margot Pollak geb. Prinz

Verlegeort
Isoldestraße 9
Bezirk/Ortsteil
Friedenau
Verlegedatum
21. Mai 2022
Geboren
29. November 1905 in Berlin
Flucht
1938 Holland
Interniert
in Westerbork
Deportation
am 23. März 1944 nach Auschwitz/Reichenbach
Überlebt
Biografie

Margot wurde am 29. November 1905 als Margot Ernestine Prinz in Berlin Charlottenburg geboren. Ihre Eltern waren Georg Prinz und Nanny Prinz, geborene Margoniner.

Margot hatte den älteren Bruder Hans Werner, der 1904 geboren war.

Sie besuchte 10 Jahre das Fürstin- Bismarck-Gymnasium, die heutige Sophie-Charlotte-Oberschule in der Sybelstraße.

Am 12. Januar 1937 heiratete sie Dr. Guido Pollak. Vermutlich wohnte sie mit ihm und der Schwiegermutter Fella Fanny Pollak, geb. Leiser, in der Familienwohnung Isoldestr. 9 in Berlin Friedenau.

Wegen der zunehmenden antisemitischen Hetze flüchtete das Paar am 15. März 1938 mit einem Flugzeug der KLM vom Flughafen Tempelhof nach Amsterdam. Ihre Möbel und diversen Hausrat konnten sie noch nachliefern lassen. In Amsterdam bezogen sie nach einer Weile eine Wohnung in Blaue Distelweg 38. Ihr Mann Guido Pollak arbeitete in einer Filiale des Schuhhauses Leiser namens HUFF und er gründete ein weiteres Schuhgeschäft in Haarlem.

Nachdem die deutschen Nazis Holland überfallen hatten, wurden auch hier Juden systematisch verfolgt, verhaftet und deportiert. Im März 1943 wurden Guido und Margot verhaftet, ins Polizeigefängnis Scheveningen und weiter ins KZ Vught bei Hertogenbosch gebracht. Dort musste Margot bis März 1944 Zwangsarbeit für Telefunken leisten. Sie musste stundenlange Appelle bei jedem Wetter überstehen, litt an Fieber, an Scharlach, hatte Zahnschmerzen wegen eines vereiterten Zahns, bekam eine Stimmbandlähmung, eine Venenentzündung im Bein und erlitt erste Herzanfälle.

Am 23. März 1944 wurde Margot mit 598 anderen Juden und Jüdinnen vom Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz -Birkenau deportiert, wo die Qualen noch schlimmer wurden.

Ende 1944 wurde sie mit anderen Frauen, die wie sie vorher im KZ Vught für Telefunken gearbeitet hatten, ins KZ Reichenbach verlegt. Sie musste tägliche Fußmärsche von 1,5 Stunden antreten, manchmal sogar barfuß im Schnee, um wieder Zwangsarbeit zu leisten.

Als die Rote Armee näherkam, wurde Margot auf einen der Todesmärsche geschickt. Sie überlebte die KZs Trautenau in der Tschechoslowakei, Porta Westfalica, Beendorf und das „Zigeunerlager“ Ludwigslust, bevor sie endlich am 2. Mai 1945 vom Schwedischen Roten Kreuz in Hamburg-Eidelstädt befreit wurde. Margot war nun fast 40 Jahre alt.

Sie erholte sich nur mühsam in Schweden, wurde aber nie mehr völlig gesund. Im Mai 1946 emigrierte sie in die USA. Dort heiratete Margot Pollak ein weiteres Mal und kämpfte sehr lange mit den deutschen Behörden um Entschädigung.