Adele Alifeld

Verlegeort
Nassauische Str. 30
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. November 2005
Geboren
29. Dezember 1865 in Pasewalk
Deportation
am 17. März 1943 nach Theresienstadt
Ermordet
25. März 1943 in Theresienstadt
Biografie

Adele Alifeld wurde am 29. Dezember 1865 in Pasewalk in Vorpommern geboren. Für ihre Eltern, den aus Schüchtern in Kurhessen stammenden Rabbiner Dr. Moses Gabriel Alifeld (*ca. 1820) und dessen Ehefrau Rosalie (oder Rosalia) Sarchen geborene Rothschild, war sie das jüngste von insgesamt fünf Kindern. Ihr Bruder Juda (*1857) war acht, ihre Schwester Caroline Fanny sieben (*1858), ihr Bruder Rudolf (*1859) sechs und ihre Schwester Bianca (*1862) drei Jahre älter als sie. 

Ihr Vater Moses Gabriel Alifeld hatte von 1844 bis 1848 an der Universität Marburg studiert. 1853 lebte er als Rabbi und Privatlehrer in Wolfshagen in Kurhessen. Dort heiratete er 1855 Sarchen Rothschild. 1857 kam der älteste Sohn Juda Theodor zur Welt. Von 1858 bis 1862 war er Rabbi in Beverungen und danach in Pasewalk, Vorpommern, wo Adele geboren wurde. 1866 wurde er einvernehmlich entlassen. 

Adeles Bruder Rudolf wanderte 1882 mit 22 Jahren in die USA aus. Damals wohnte die Familie in Stettin. Adeles ältere Schwester, die Kindergärtnerin Bianca, heiratete 1892 den Zigarrenhändler Leopold Marx in Wanlo bei Mönchengladbach. Zu diesem Zeitpunkt waren die Eltern schon verstorben. Juda und Fanny heirateten in Hamburg. 

Wo Adele studierte, konnte nicht recherchiert werden. Sie wurde Lehrerin von Beruf und blieb ledig.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, wurden jüdische Lehrkräfte umgehend entlassen. Adele war damals schon 67 Jahre und bezog eine Rente der Angestelltenversicherung von 92,60 RM. 

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Adele als Untermieterin bei Clara und Elias Petuchowski in der Babelsberger Straße 48 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Clara Petuchowski war in der Sprache der Nationalsozialisten „deutschblütig“. Deren jüdischer Ehemann Elias war durch die Mischehe mit ihr vor der Deportation geschützt. Wann Adele in die Nassauische Straße 30 umzog, konnte nicht genau bestimmt werden. 

Nach dem Tod des Hauptmieters Hermann Seidemann im Oktober 1940 musste seine Ehefrau Regina Seidemann zwangsweise ein Zimmer ihrer Wohnung in der 1. Etage des Gartenhauses in der Nassauischen Straße 30 vermieten. Adele Alifeld zog bei ihr als Untermieterin ein. Die beiden Damen lebten bis Mitte März 1942 in einem Haushalt. So beschreibt es Regina Seidemann auch in ihrer Vermögenserklärung, die sie am 13. März 1942 ausfüllen musste. Sie wurde am 28. März 1942 von der Gestapo nach Piaski deportiert und ermordet. 

Bis Juni 1942 bewohnte Adele die Wohnung alleine. Da die Dahlheims aus ihrer Wohnung in der Bamberger Straße ausziehen mussten, wurde ihnen von der Wohnungsberatungsstelle der Jüdischen Kultusvereinigung zu Berlin e.V. die Wohnung im 1. Stock des Gartenhauses zugewiesen. Adele zog daraufhin zur Untermiete zu Paula Schiff, die mit ihrer Tochter Ruth im 4. Stock des Gartenhauses wohnte.