Johanna Danielsohn geb. Danielsohn

Verlegeort
Nassauische Str. 30
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. November 2005
Geboren
08. November 1879 in Berlin
Deportation
am 05. September 1942 nach Riga
Ermordet
08. September 1942 in Riga
Biografie

Johanna Sarah Danielsohn wurde am 8. November 1879 in Bönhof im Kreis Stuhm in Westpreußen geboren. Ihre Mutter, die aus der Altmark im Kreis Stuhm stammende, geschiedene Marianne Borchardt geborene Danielsohn (*29. Mai 1837), war bei ihrer Geburt schon 42 Jahre alt und brachte Johanna unehelich zur Welt. Johannas Vater blieb unbekannt. Als Familienname wählte sie für Johanna ihren Mädchennamen Danielsohn.

Mit ungefähr 25 Jahren hatte Marianne Danielsohn den Handelsmann Joseph Borchardt in Danzig geheiratet. Am 7. Dezember 1867 wurden sie Eltern von Jakob Borchardt. Die Ehe wurde zwei Jahre später 1869 in Danzig geschieden. Am 22. April 1873 bekam sie unehelich einen zweiten Sohn in Danzig, dem sie den Namen Heymann Danielsohn gab. Auch sein Vater ist unbekannt.

Mit ihren beiden Söhnen zog sie um 1875 zu ihren Eltern und Geschwistern nach Bönhof. Johannas Großvater Daniel Hermann Danielsohn war dort Handelsmann und Schänker. 

Vier Jahre nach der Geburt von Johanna heiratete ihre Mutter in Berlin am 31. Juli 1883 in zweiter Ehe den aus Crone im Landkreis Bromberg stammenden Schuhmacher Isidor Chaim Hirsch Sachs (*3. Juli 1846), der damals in der Mulackstraße 10 in Berlin-Mitte wohnte. Da Marianne, auch Marie genannt, das Schreiben nicht gelernt hatte, unterschrieb sie die Heiratsurkunde mit drei Kreuzen. 

Als Johanna 16 Jahre alt war, wurde sie am 1. Januar 1896 Mutter ihres ersten Sohnes Rudolf. Zehn Tage später heiratete sie am 10. Januar 1896 den Vater ihres Sohnes, ihren ebenfalls aus Bönhof stammenden Cousin, den Schlächter Hermann Danielsohn (*25. Februar 1874). Hermanns Vater, der Fleischermeister David Danielsohn (*2. Mai 1839), war der jüngere Bruder ihrer Mutter. 

Ein Jahr später, am 27. März 1897, wurden sie Eltern eines zweiten Sohnes mit Namen Alfred Walter, der aber nur vier Monate alt wurde. Ihr drittes Kind Erna kam am 31. Mai 1898 zur Welt. Aber auch sie wurde kein Jahr alt und starb am 8. April 1899. Ihr viertes Kind Israel Arthur starb 16 Tage nach der Geburt am 27. Oktober 1899. Am 6. Januar 1907 schenkte Johanna ihrer Tochter Else das Leben. 

Am 25. März 1913 starb Johannas Mutter Marianne Sachs mit 70 Jahren. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Ihre drei Kinder ließen einen Grabstein für ihre liebe Mutter, Schwiegermutter und Tante aufstellen.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verschlechterte sich das Leben von Johannas Familie zunehmend.

Ihr Ehemann Hermann starb am 17. April 1937 mit 62 Jahren in Berlin-Prenzlauer Berg. Auch er wurde auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt. Johanna wurde mit 58 Jahren Witwe und wohnte damals mit ihrem 41-jährigen Sohn Rudolf und ihrer 30-jährigen Tochter Else in der Lottumstraße 12 in Prenzlauer Berg. Hier waren sie auch noch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 gemeldet. 

Nachdem Rudolf am 8. April 1941 mit 45 Jahren gestorben war, zogen Johanna und Else in die Nassauische Straße 30 in Berlin-Wilmersdorf. Die Nassauische Straße 30 war ihre Deportationsanschrift und damit die letzte Adresse in Berlin.

Anfang Dezember 1941 wurde Johannas Bruder Heymann in der Rheinsberger Straße 28 in Berlin-Mitte aufgefordert, seine Vermögenserklärung auszufüllen und sich Anfang Januar in der Sammelstelle in der Levetzowstraße einzufinden. Am 13. Januar 1942 deportierte ihn die Gestapo nach Riga, wo sich seine Spur im Ghetto verlor. Nach dem Krieg wurde er für tot erklärt.

Johannas ältester Bruder Jakob Borchardt und dessen Ehefrau Bertha, die in der Rheinsberger Straße 36 in Berlin-Mitte wohnten, wurden am 31. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. 

Johanna und ihre Tochter Else wurden Ende August 1942 aufgefordert, sich in der Sammelstelle in der Levetzowstraße einzufinden. Der sogenannte 19. Osttransport verließ den Güterbahnhof Berlin-Moabit entgegen der ursprünglichen Planung nicht am 31. August 1942, sondern am 5. September 1942 – vermutlich mit Personenwaggons, die die 801 gelisteten Personen in Richtung Riga transportierten. Kurz nachdem sie in Riga eintrafen, wurden sie auf dem Bahnhof Riga-Skirotava am 8. September 1942 erschossen. Johanna Danielsohn geborene Danielsohn starb mit 62 Jahren. Ihre Tochter Else Danielsohn starb mit 35 Jahren.

Johannas ältester Bruder Jakob Borchardt starb mit 75 Jahren am 10. November 1942 im Ghetto Theresienstadt. Seine Ehefrau Bertha Borchard geborene Casper starb am 10. März 1943 im Ghetto an Lungenentzündung.

Hermanns Schwester Flora Koch geborene Danielsohn (*19. Dezember 1866) überlebte den Holocaust in Theresienstadt, wohin sie am 16. Juni 1942 zusammen mit ihrem Ehemann Max (*18. April 1867) deportiert worden war. Aufgrund der menschenunwürdigen Bedingungen im Ghetto starb ihr Ehemann schon am 30. Dezember 1942. Ihre Tochter Edith (*3. September 1890) wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 

Flora starb mit 82 Jahren am 17. April 1949 in einem jüdischen Altersheim in Berlin-Wedding.

Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.